Spazieren, Joggen, Fussball, Klettern, zum Supermarkt „walken“: Sport ist gesund und unterstützt sowohl das physische wie auch psychische Wohlergehen. Das gilt sowohl für Diabs wie für Nicht-Betroffene. Für Typ 1-DiabetikerInnen gilt es allerdings ein paar Punkte zu beachten bevor die Joggingschuhe angeschnallt werden.

 

Sport und Bluttzucker
Körperliche Betätigung hat einen Einfluss auf den Blutzuckerhaushalt. Sport = erhöhter Abbau von Glukose = Blutzucker sinkt? Diese Gleichung ist als Grundsatz zu nehmen, doch auch weitere Faktoren beeinflussen den Blutzuckerspiegel vor, während und nach dem Sport.

  • Wurde vor der körperlichen Aktivität Insulin gespritzt um den Blutzucker zu senken, kann der Wert durch den zusätzlichen Verbrauch von Glukose während des Sportes gefährlich weit sinken. Die Muskeln und Leber können bis zu 8-12 Stunden (einem halben Tag) nach dem Training noch vermehrt Zucker aufnehmen, um ihre Reserven wieder aufzufüllen. Die Hypogefahr nach dem Sport muss also bedacht und die Insulindosis entsprechend angepasst werden.
  • Ist der Blutzuckerspiegel vor Beginn des Trainings zu hoch und liegt ein Mangel an Insulin vor, dann kann der Körper den im Blut vorhandenen Zucker auch während des Sports nicht verwerten. Stattdessen werden Fettsäuren abgebaut, um den erhöhten Energieverbrauch zu decken. Wie im Text zur Hyperglykämie erklärt, entstehen beim Abbau von Fettsäuren so genannte Ketonkörper, die zu einer gesundheitsschädigenden Übersäuerung des Körpers und im Extremfall zu einem diabetischen Koma führen.
  • Sport kann auch zu einem rasanten Blutzuckeranstieg führen. Die anstrengende körperliche Aktivität lässt den Körper das Hormon Adrenalin ausschütten – ein Gegenspieler des Insulins. Adrenalin regt die Leber zu einer erhöhten Freisetzug von Glukose an, was zu einem Blutzuckeranstieg führt. Ist der Wert zu Beginn des Trainings schon tief, wird diese Reaktion nur noch verstärkt.

 

Sport und Insulin-Management
Werden Insulindosis und Kohlehydrataufnahme vor und nach dem Sport bedacht und angepasst, spricht alles für regelmässige körperliche Aktivität  und deren positiven Auswirkungen (bessere Stressresistenz, Stärkung des Immunsystems, Gewichtskontrolle, Stärkung der Herz-Kreislauf-Funktion und vieles mehr). Die Insulinsensitivität der Muskelzellen wird sowohl kurz- wie auch längerfristig gesteigert durch regelmässige körperliche Betätigung, weswegen DiabetikerInnen, die öfters Sport betreiben, ihren Insulinbedarf oft dauerhaft reduzieren können. Die richtige Abstimmung von Sport – Insulindosis – Kohlehydratzufuhr ist abhängig von Intensität und Dauer des Trainings und von individuellen Faktoren.

Um Blutzuckerentgleisungen zu vermeiden, werden folgende Grundregeln vorgeschlagen:

  • Vor Beginn des Trainings sollte der BZ-Wert unter 14 mmol/l liegen
  • Wenn man den Sport bereits frühzeitig einplant, sollte die Insulindosis vor dem Training bereits reduziert werden. Andernfalls sollten vor Beginn der Aktivität schnell wirkende Kohlenhydrate eingenommen werden
  • Gerade wenn man erst am Abend ins Training geht sollte man vor dem Zubettgehen gegebenenfalls eine Einheit langsam wirkender Kohlehydrate zu sich nehmen, um nächtlichen Hypos vorzubeugen

 

Übung macht den Meister: Herauszufinden, wie man seine Insulin-Dosen anpassen muss oder wie viele extra-Kohlehydrate nötig sind, ist nicht einfach und braucht Erfahrung. Am besten, man hält sich über einige Zeit an ein genaues Schema (Art der Aktivität, Dauer, Tageszeit, Reduktion Insulin, Einnahme Kohlenhydrate), überprüft in regelmässigen kurzen Abständen den BZ und notiert sich dies genau.

honeybee Tipp: Diabetes ist kein Einzelsport – Körperliche Betätigung muss das auch nicht sein! Wieso nicht Sport und Spass verbinden und sich mit einer Gruppe weiterer Diabs zum Training und Klatsch treffen? Und nicht vergessen: Auch voller Körpereinsatz bei einer Tanzeinlage im Ausgang darf getrost als Trainingseinheit gezählt werden!

 

Mehr Infos und super Tipps:

d-Journal

Laufen mit Diabetes