Zu den häufigeren Nebenwirkungen einer Insulintherapie gehören sicherlich „Hypos“ (Hypoglykämien/Unterzuckerungen). In der Diagnostik spricht man von einem Hypo bei einem Messwert von unter 2,78 mmol/l, wobei Symptome und Gegenmassnahmen früher auftreten können bzw. eingeleitet werden sollten. Ausgelöst werden Hypos durch einen Mangel an Kohlehydraten mit gleichzeitigem Überangebot von Insulin, doch die Ursachen für diesen Zustand können ganz verschieden sein:

  • Eine zu hohe Dosis Insulin wurde gespritzt
  • Der Spritz-Ess-Abstand war zu lang (Tipp für unterwegs: Immer erst spritzen, wenn die Mahlzeit vor einem steht)
  • Hohe körperliche Belastung (z.B. Sport)
  • Alkoholkonsum

 

Genauso vielfältig wie die Ursachen können die Symptome sein:

  • Zittern und Unruhe, Nervosität
  • Hungerattacken
  • Wallungen und Kälteschweiss
  • Schwächegefühle
  • Herzklopfen / Herzrasen
  • Konzentrationsschwäche
  • Ungeduld, Aggressivität
  • Kribbelgefühle in Händen und Beinen, um Mund
  • Verwirrtheit

 

Es ist sinnvoll, das engere Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitsplatz) über diese Symptome zu informieren. Dies kann dem Betroffenen helfen, eine Unterzuckerung schneller zu erkennen und führt auch zu einem besseren Verständnis für möglicherweise untypisches (z.B. aggressives, irritiertes oder ungezügeltes) Verhalten.

honeybee Tipp: Regelmässig einen Blick auf den Blutzucker zu werfen ist zwar zeitweise mühsam, aber sicherlich auch hilfreich um Unterzuckerungen vorzubeugen. Gerade nach körperlicher Betätigung (dazu gehört wildes Tanzen im Ausgang und Schäferstündchen zu Zweit) und Alkoholkonsum empfiehlt es sich, den Blutzucker besser einmal zu viel als zu wenig zu messen.

 

Behandlung
Hypos können sich bei allen DiabetikerInnen anders zeigen. Was aber für alle gleich ist: Unterzuckerungen müssen behandelt werden, indem man beispielsweise

  • 10 bis 20 schnellwirksame Kohlenhydrate zu sich nimmt (z.B. 4-6 Stück Traubenzucker oder ein Glas (2dl) eines Süssgetränks/Fruchtsafts). Stark fetthaltige Nahrungsmittel wie beispielsweise Schokolade sind ungeeignet, da deren Zucker vom Körper nur langsam aufgenommen werden kann
  • Um ein erneutes Absinken des Blutzuckers zu vermeiden, sollten zudem noch langwirksame Kohlenhydrate (z.B. 3 Darvida, ein Getreideriegel) gegessen werden

honeybee Tipp: Im Moment einer Unterzuckerung schreit der Körper nach Zucker und es kann extrem schwierig sein, nicht zu „überreagieren“, sprich zu „überessen“. Am besten man hält sich an ein persönliches Schema (z.B. Einnahme von Traubenzucker, eine Viertelstunde warten, Blutzucker messen und dann eine Portion langanhaltender Kohlenhydrate nachschieben). Und: Fernhalten vom Kühlschrank und Supermarktregalen!

 

Schwere Unterzuckerung
Gerade bei einer langebestehenden Erkrankung kann die Sensibilität gegenüber leichten Hypos abnehmen. Unbehandelt können sich diese schnell in schwere Unterzuckerungen wandeln und schwerwiegende Folgen haben, unter anderem Bewusstseinsstörungen, Krämpfe und schliesslich Bewusstlosigkeit. Bei einer solch schweren Form der Unterzuckerung sind Betroffene auf äussere Hilfe angewiesen. Im Falle einer Bewusstlosigkeit muss dem Betroffenen so schnell wie möglich Glukagon (das Gegenhormon von Insulin) gespritzt werden. Dieses bewirkt innerhalb von ca. 5-10 Minuten einen raschen Anstieg des Blutzuckers, da Reservezucker aus Muskeln und der Leber mobilisiert wird. Enge Angehörige sollten mit der Handhabung der Glukagonspritze vertraut gemacht werden.

honeybee Tipp: Gerade beim Sport, im Ausgang oder beim Autofahren sollte man immer einen Diabetikerausweis oder ein Diabetiker-Armband mit entsprechenden Instruktionen und den Telefonnummern von Notfallkontakten bei sich tragen.