Insulin – für viele nicht mehr als ein Wort mit 7 Buchstaben. Für DiabetikerInnen dreht sich jedoch jeder Tag um die Regulierung dieses lebenswichtigen Hormons. Denn anders als bei gesunden Menschen hat die Bauchspeicheldrüse die Produktion des Stoffes „outgesourct“. DiabetikerInnen sind selbst für die Zuführung, Überwachung und Regulierung von Insulin zuständig.

Wie wichtig die richtige Balance im Insulinhaushalt ist und welche Konsequenzen ein Kontrollverlust haben kann, das hat jeder Betroffene bereits buchstäblich am eigenen Körper erlebt. Insulin steuert die Aufnahme von Glukose in die Körperzellen. Um seine vielen alltäglichen Aufgaben wie Hirntätigkeit, Herzschlag, Atmen, Bewegung, Verdauung etc. kontinuierlich erfüllen zu können, braucht der menschliche Körper Energie. Diese gewinnen die Körperzellen eben aus der Aufnahme und Verwertung von Glukose, die zuvor aus kohlehydratreichen Nahrungsmitteln (von Zucker über Brot zu Obst) gewonnen wurde.

 

Insulinschlüssel
Insulin wirkt als Schlüssel bei der Resorption von Glukose. Es dockt an Rezeptoren in der Zellwand an und sendet ein Signal an die Zelle, dass sie sich für die Aufnahme der Energie (in Form von Glukose) öffnen soll. Bei einer Insulinresistenz (wie im Falle von Typ 2) ist dieses Signal gestört. Bei einem absoluten Insulinmangel (wie im Falle von Typ 1) erhalten die Körperzellen kein Signal, da überhaupt erst gar kein Insulin für die Aussendung dieses Signals mehr vorhanden ist. Die Zellen werden in Folge nicht mehr mit Glukose versorgt, welche zur Energiegewinnung umgewandelt oder als Glykogen (Reservezucker oder Speicherform der Glukose) gespeichert werden könnte.

Auch in weiteren Stoffwechselprozessen spielt Insulin eine wichtige Rolle. So ist es beispielsweise beteiligt an der Regulierung des Fett- und Eiweisshaushalts des Körpers.

Produziert wird Insulin in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Rund 95% des Organs werden dafür genutzt, Verdauungssäfte zu produzieren, welche für die Verarbeitung von Nahrungsbestandteilen benötigt werden. In der Bauchspeicheldrüse versammeln sich aber zudem noch verschiedene Zellarten, welche verschiedene Hormone produzieren (Insulin in den Betazellen, Glukagon in den Alphazellen, Somatostatin in den Deltazellen etc.). Insulin wird von den Betazellen hergestellt. Im Falle einer Diabeteserkrankung greift das Immunsystem diese Betazellen an und zerstört sie. Die Folge ist die Einstellung der Insulinproduktion.

 

Insulin und Glukose
Insulin hat nicht lediglich die Funktion, den Blutzucker zu senken. Das Hormon hat auch einen Einfluss auf den Transport von Glukose in die Fett- und Skelettmuskelzellen und deren Speicherung in Muskel- sowie Leberzellen. Ausserdem hemmt Insulin den Abbau von Fett (Lipolyse) und die Neubildung von Glukose (Glukoneogenese).

Ein ausgeglichener Blutzuckerhaushalt setzt voraus, dass das Gleichgewicht zwischen Insulin, Glukagon und Glukoneogenese (die Neubildung von Zucker, welcher die Zellen ernährt) konstant bleibt. Deswegen ist es wichtig, dass ständig eine gewisse Menge an Insulin im Blutkreislauf vorhanden ist. Die Insulinproduktion ist also ein nonstop-Prozess. Für Diabetiker heisst das: Nicht nur die Menge an eingenommenen Kohlehydraten muss durch Insulin abgedeckt werden, sondern sie benötigen auch so genanntes „Basalinsulin“, das den konstanten Grundbedarf des Körpers an Insulin deckt.